Johannes, Martin und Eva-Maria, dass sind wir und seid kurzem reisen wir durch Deutschland und Europa.
Schon lange spüre ich, Eva-Maria, dass ich die Welt erleben möchte und mir das "gewöhnliche Leben", dass wir bisher geführt haben zuviel Energie kostet. Soviel von unserer Lebenszeit nimmt die "Verwaltung der Familie" in Anspruch, eine weiterer großer Teil der Lebenszeit wird von der beruflichen Tätigkeit in Anspruch genommen, welche meist nicht die Berufung ist. Immer mehr hatte ich das Gefühl "bedient" zu werden und gar nicht mein Leben zu leben.
Johannes hatte schon immer das Bedürfnis sich freier zu bewegen, raus aus den vorgegebenen Strukturen und rein in das Leben. Unser Sohn hat uns von Anfang an gefordert und hatte irgendwie andere Bedürfnisse...... er war schon immer sehr neugierig und interessiert an vielen Dingen und er hat sich nie mit einfachen Antworten zufrieden gegeben. Sein starker Bewegungsdrang machte ihm bald Probleme und er wurde mit "still sitzen" und in der "Ecke stehen" sanktioniert. Diese und noch andere Handlungen der "Fremd-Betreuungskräfte" führten dazu, dass sich Johannes immer mehr in sich zurückzog oder auch ein aggressives Verhalten zeigte. Dieses Vorkommnisse wollten wir als Eltern dokumentiert wissen und besuchten diverse Kinderpsychologen auf. Die Diagnostik und das Bild, welches diese Fachschaft sich von Johannes machten war echt erschreckend. Von Anpassungsstörung bis Hyperaktivität war das alles dabei, bis hin zu einem klinikaufenthalt um eine medikamentöse Therapie einzuleiten ( was wir natürlich strikt ablehnten), denn schließlich muss Johannes ja in der Schule sitll sitzen und sich angepast verhalten.
Zum Glück haben Martin und ich einen medizinischen Hintergrund und wisseen, dass diese Medikamente alles andere als förderlich sind. Es war wirklich nur ein Psychologe dabei, der uns bestätigte, dass mit unserem Sohn alles in Ordnung ist und er einfach nur sehr intelligent und auf einen überdurchschnittlichen Wissensstand ist. Johannes braucht keine Medikamente und keine Förderung, er braucht nur eine andere Möglichkeit lernen zu können. Das war uns Eltern schon sehr früh bewusst und wir konnten Johannes an einer privaten Schule anmelden.
Doch durch die Geschnisse in den letzten 1,5 Jahren war es auch an der privaten Schule für Johannes nicht mehr möglich frei und selbstbestimmt zu lernen. So äußerte er im März 2020, dass er nicht mehr in die Schule geht und das ist bis heute unverändert. Natürlich wurden wir dadurch mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die uns jedoch noch mehr bestätigten, dass wir auf den richtigen Weg sind. Auf den Weg in ein freies und selbstbeistimmtes Leben. Wir durften lernen den Wahrnehmungen unseres Sohnes zu vertrauen, denn er weiß genau was er braucht und wir geben ihm den Raum seine Bedürfnisse zu äußern.
Martin war sehr "gefangen" in seinen Strukturen. Zu einem durch seine selbstständige berufliche Tätigkeit als Fahrlehrer und eben auch durch seine ehemalige Tätigkeit im Rettungsdienst. Hier sind Gesetze und standardisierte Handlungsabläufe natürlich wichtig und wegweisend. Zunächst war es für Martin schwer vorstellbar ein Leben außerhalb dieses Gefüges zu führen, doch sein Verlangen nach Selbstbestimmung überwiegte dann doch. Er durfte auch erkennen, dass ihm sein Beruf unter diesen Vorraussetzungen immer weniger Freude machte und dass er, obwohl er "sein eigener Chef" ist, immer weniger Entscheidungs- und Entfaltungsfreiheit hat.
Ja, so entstand unser gemeinsamer Weg des Reisens und wir sind gespannt was wir alles erfahren, erkennen und lernen dürfen. Vorallem ist die räumliche Enge eine echte Bewährungsprobe für die Familie, denn in einem Wohnmobil gibt es nicht viel Ausweichmöglichkeiten, wenn man sich mal gegenseitig "auf den Keks geht". Warten wir ab, was sich so zeigt.
Nun gilt es natürlich auch sich eine alternative berufliche Perspektive zu schaffen, auch hier sind wir im Vertrauen und warte ab, wo uns unsere gemeinsame Lebensreise hinführt.
> Lebe dein Leben auf alle möglichen Arten - gut-schlecht, bitter-süß, dunkel-hell, Sommer-Winter. Lebe alle Dualitäten. Habe keine Angst Erfahrungen zu machen, denn umso mehr Erfahrung du hast, umso reifer wirst du werden. < Osho
